|
In verschiedenen Verschriftungen tauchen in der Darstellung des aktionalen und
funktionalen Zusammenhangs wichtige Begriffe auf. Das folgende Glossar erläutert,
die in der Beschreibung der Fahrphilosophie und in der praktischen Ausbildung
verwendeten Begriffe. Um die Orientierung zu erleichtern, sind die Begriffe nach
dem Alphabet geordnet.
Angulation =
gewinkelte Körperstellung,
bei der die Beine stärker
kurveneinwärts
geneigt sind als der Rumpf.
Genau genommen muss man (viele
Autoren tun dies) zwischen einer Knie-und Hüftangulation
unterscheiden.
Knieangulation
Die Knieangulation entsteht, wenn in der Kurvensteuerung die Knie über
Beugen der Beine ( Kniebeugung) und Oberschenkeldrehung (Beinedrehen) zum Hang
bewegt werden. Um die Bewegung der Knie zum Hang auszugleichen, bewegt sich
der Oberkörper
nach außen.
Dies bezeichnen wir als Vorseitbeuge. Mit dem Beinedrehen ist das vorwärts-einwärts
Bewegen der Knie verbunden. Beides führt
zum Aufkanten der Ski, das mit dem Kurvenwechsel endet. Diese Form wird immer
dann benutzt, wenn für
die situative Lösung
von Aufgaben ein aktives Drehen der Ski aus der Falllinie erforderlich ist.
Hüftangulation
Neben der "Knieangulation" gibt
es eine Hüftangulation.
Bei der Hüftangulation
wird die Hüfte
in der Kurvensteuerung nach dem Kurvenwechsel (Umkanten) seitwärts
verschoben. Der Impuls geht von der Hüfte
aus, der Oberkörper
bleibt ruhig stehen. Mit d er Hüftangulation,
die bis zu einem starken Absenken des Körperschwerpunkts
zum Hang (Kurvenmittelpunkt) führen
kann, ist ein Verstärken
des Aufkantens z.B. beim Carven verbunden (häufig
kantet dabei der Außenski
etwas mehr). Voraussetzung für
ein Absenken der Hüfte
(Angulation) ist der Gegendruck vom Außenski.
Bei der Hüftangulation
ist darauf zu achten, dass das Gesäß
nicht zum Hang gedreht wird. Das Drehen des Gesäßes
zum Hang verhindert das Auf kanten der Ski. Über
Demonstration im Stand kann dies gut gezeigt werden. Durch die Hüftangulation
werden das Aufkanten verstärkt,
die Orientierung in Fahrtrichtung nicht eingeschränkt
und der Kurvenwechsel verkürzt.
Im flachen Gelände
kann über
Hüftangulation
alleine das Kurvenfahren nahe der Falllinie durchgeführt
werden. Die Hüftangulation
ermöglicht
das Umkanten. Es empfiehlt sich, den Begriff Angulation nur für
die "Hüftangulation"
zu verwenden. Die Knieangulation bezieht sich mehr auf aktives Drehen und Vorseitbeuge.
Drehen:
Beim Drehen unterscheiden wir:
Ganzkörperdrehen, Beinedrehen, Gegendrehen, kein Drehen.
Das Ganzkörperdrehen
kennt das Vorausdrehen und das Mitdrehen. Während
beim Vorausdrehen der Oberkörper
einen Drehimpuls erzeugt, der sich auf das System (Körper,
Ski) überträgt,
ist das Mitdrehen immer auf die Bewegung des Geräts
ausgerichtet. Das bedeutet, dass sich Schulter-, Hüft-
und Knieachse im Verhältnis
zur Skiachse mit bewegen. Das Gegendrehen ist ein wenig problematisch, als häufig
durch das Gegendrehen die Steuerqualität
vermindert wird, weil sich die Knie vom Hang weg bewegen.
Eine besondere Situation stellt das
Carven dar. Dort drehen weder der Körper
noch die Beine aktiv. Dennoch hat beim Kurvenfahren auf der Kante am Ende der
Skifahrer gedreht, er steht in entgegengesetzter Richtung, obwohl ein aktives
Drehen von Körper
oder Bein nicht beteiligt war. Vorsicht mit dem Drehen ist bei hohem Tempo und
vor allem beim Carven geboten. Häufig
nehmen Skifahrer mit dem Kurvenwechsel (Umkanten) bereits die Außenhand
aktiv nach vorne. Dadurch ergeben sich qualitative Einschränkungen
in der Kurvensteuerung. Ab der Falllinie sollte der Außenarm
nicht mehr aktiv nach vorne gebracht werden. Zu starkes bzw. zu weites Vorführen
der Außenhand
vermindert die Qualität
der Kurvensteuerung auf Grund einer zu starken Drehimpulsübertragung
und häufig
resultierender Innenskibelastung.
Frequenz:
Die Frequenz ist abhängig
von der Geschwindigkeit, dem Radius und dem Schwungwinkel. Hohe Frequenz ergibt
sich immer bei kleinem Radius und kleinem Schwungwinkel (Abweichung von der
Falllinie). Die Festlegung des Radius wird unterschiedlich vorgenommen. Die
Begriffe "kurz" und "klein" stehen häufig
nebeneinander, werden unterschiedlich interpretiert und verstanden. "Kurz" und
"klein" sind abersynonyme
Begriffe, die dasselbe meinen. Verwendet man den Begriff Frequenz muss man
über Benennung von Radius und Schwungwinkel differenzieren.
Ganzkörperkippen:
Ganzkörperkippen bedeutet, dass beim Kurvenfahren das Umkanten beim
KuRvenwechsel durch ein Kippen des
ganzen Körpers nach vorne
innen zur Kurvenmitte erfolgt. Dieses Kippen muss auf Fahrgeschwindigkeit
und Gelände abgestimmt sein. Im flacheren Gelände geschieht das Umkanten
und damit das Ganzkörperkippen langsamer, im steilen schneller. Es soll
eine kontinuierliche Bewegung sein, bei der der Druck zwischen Ski und
Schnee nicht verloren geht und nicht sofort in eine Endposition eingenommen
wird. Der Vorteil, das Umkanten über Ganzkörperkippen durchzuführen, liegt
darin, dass gleichzeitig mit dem Umkanten eine entsprechende Kurvenlage
eingenommen werden kann.
"Gestrecktes" Außenbein:
" Gestrecktes" Außenbein ist
ein Arbeitsbegriff, ein Kürzel, das ausdrücken soll, dass das Bein im
Gegensatz zum Beinedrehen beim geschnittenen Kurvenfahren nicht aktiv beugt,
sondern nur wenig beugt und nachgebend (= exzentrisch) reguliert. Das
Außenbein (verstärkt) hält
gegen die äußeren Kräfte. Damit kann man den hohen Kräften z.B. beim Carven begegnen. Das Gegenhalten im Außenbein ist Voraussetzung für die
Angulation.
Kniekippen:
D urch Kniekippen wird im
einfachen, flachen Gelände umgekantet. Dies funktioniert ganz gut, solange
man nicht zu weit aus der Falllinie fahren muss und das Umkanten für das
Kurvenfahren ausreicht (vgl. Ganzkörperkippen) Bei ausgeprägterem
Kurvenfahren muss das Kniekippen mit aktivem Drehen (z.B.
Ganzkörperdrehen) verbunden werden. Will man stärker aufkanten müssen
Kniekippen und Beinedrehen durchgeführt werden. Dadurch erhöht sich die
Qualität der Kurvensteuerung. Obwohl das Kniegelenk große
Bewegungstoleranzen hat, ein Kugelgelenk ist es nicht!
Schritt:
D er Schritt beim
Kurvenfahren ist kein aktives Vorschieben des Bergbeins. Der Schritt ergibt
sich, weil sich beim Kurvenfahren auf Grund der Kurvenlage der
Niveauunterschied zwischen Berg- und Talbein erhöht (=Ausgleichsbewegung).
Je weiter die Kurvenlage eingenommen wird, desto größer wird der Schritt.
Deshalb gilt: Den Schritt nicht ansprechen, wenn er sich resultativ
einstellt.
Überlagern:
Auf Grund der situativen
Voraussetzungen überlagern sich verschiedene Grundfunktionen (Kanten,
Belasten, Drehen) und Bewegungsspielräume. Also: Ganzkörperkippen und
Beinedrehen und vieles andere mehr. Es gibt nur eine Ausnahme: Man kann
nicht die Hüfte seitwärts verschieben und absenken und gleichzeitig das
Talbein nach innen drehen (aktives Beinedrehen).
Unterfahren:
Neben dem Ganzkörperkippen
kann das Umkanten beim Kurvenwechsel auch durch Unterfahren erfolgen
(häufig bei wenig Zeit für das Umkanten bei kleinen Räumen). Beim
Unterfahren werden die Ski durch Anziehen der Beine (Beugen der Beine)
unter dem Körper in die neue Kurvensteuerung durchgeschoben. Dabei findet das Umkanten statt. Mit dem Unterfahren (Umkanten) wird der Druck auf dem
Führungsski (Außenski) aufgebaut und die Kurve ausgesteuert. Nach dem
Unterfahren kann entweder über Beinedrehen (Vorseitbeuge) oder über
Kanten (Angulation, z.B. beim Carven) weiter gefahren werden.
Vorseitbeuge:
Ein e Vorseitbeuge als Ausgleichsbewegung gibt es in Verbindung von
Kniekippen und Beinedrehen (häufig bei höherer Frequenz). Dort vollzieht
der Oberkörper eine Ausgleichsbewegung zum bergwärts Drehen der Beine (Benedrehen).
Auch bei der Angulation ist nach der Definition eine gewinkelte
Körperstellung zu beobachten, doch handelt es sich hier nicht um dieselbe
Ausgleichsbewegung, sondern der Oberkörper bleibt in seiner Position,
während sich die Hüfte seitwärts zum Hang verschiebt.
Wir zeigen Ihnen, wie Sie es
richtig funktioniert!
Zusammenhänge:
Zwei größere Linien von
Zusammenhängen sind auszumachen:
Geringere Frequenz:
Kurvenfahren mit Ganzkörperkippen
Aktion: Ganzkörperkippen;
Funktion: Umkanten,
Belasten (Kurvenlage)
Aktion: "Gestrecktes" Außenbein;
Funktion: Belasten (Druckaufbau auf dem Außenski)
Aktion: Angulation (Seitverschieben
der Hüfte);
Funktion: Aufkanten
Reaktion: Schritt;
Funktion: Belasten
Hohe Frequenz, steiler Hang:
Kurvenfahren durch Kniekippen und Beinedrehen
Aktion: Kniekippen;
Funktion: Umkanten
Aktion: Beugen der Beine und
Drehen;
Funktion: Drehen, Kanten, Belasten
Reaktion: Vorseitbeuge;
Funktion: Belasten Zwischen den Aktionen und Bewegungsspielräumen sind
vielfältige Verbindungen möglich (situative Abhängigkeit).
(Quelle: Text: Hannsjörg Held Fotos: Eugen
Gebhardt, Michael Mayer; Deutscher Skilehrerverband - SnowSport 2/2003-04)
|