Telemark
 
Disziplinen:

Als Vater des Telemark-Schwungs wird der aus der norwegischen Provinz Telemarken stammende Bauernsohn Sondre A. Norheim gesehen.

Bei einem Skisprung-Wettbewerb in Oslo im Jahre 1886 sprang er nicht nur über 30m weit, sondern beendete seinen Sprung mit einem eleganten Telemarkschwung.

Damals waren Skier noch nicht tailliert. Durch das nach- vorne-Schieben des Außenskis wurde aber der Effekt eines langen taillierten Skis erreicht. Mittels dieser Technik konnten dann mit untaillierten Skiern elegante Bögen gefahren werden.

Auch der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen trug mit seinem im Jahre 1890 erschienen Buch "The first Crossing of Greenland" zur Verbreitung des Telemark-Schwungs bei. Das Buch wird als erste Schrift über Skitechnik, sowie ihre Entwicklung und Philosophie angesehen. Den Namen "Telemark" erhielt diese Schwungtechnik dann im Jahre 1888 von den Bewohnern der Hauptstadt Christiana (Oslo), als diese bei einem Skivergleichskampf gegen einen Schüler Norheims unterlagen, um eine Verwechslung mit dem Parallelschwung aus Christiania zu vermeiden. Es kristallisierte sich also schon früh die Überlegenheit der Telemark-Technik heraus. ;-)

Von da an begann eine Konkurrenz zwischen dem Telemarkschwung und dem Parallelschwung. Der Parallelschwung setzte sich in den Alpenländern durch, da die Bewältigung des dortigen steileren Geländes eine andere Technik benötigte. Vor allem der Österreicher Mathias Zdarsky trug zur weiteren Verbreitung des Parallelschwungs, der engere und sicherere Bögen erlaubte, in Mitteleuropa bei. Zdarsky benützte dabei noch einen langen Stock zum skilaufen.

Ein weiterer Österreicher, Georg Bilgeri, verbreitete den Gebrauch von zwei kürzeren Stöcken. Außerdem entwickelte er den Stemmbogen, indem er die Vorteile des - von Zdarsky entwickelten - Schneepflugs und des Telemarkschwungs zusammenführte. Aus dem Stemmbogen entstand die Arlbergtechnik, die das Lehrwesen bis in die 40er Jahre dominierte.

So geschah es, daß das Skifahren mit der "freien-ferse" in den Aplenländern in Vergessenheit geriet. In Skandinavien wurde die Telemarktechnik allerdings weiterhin gepflegt. Die Wiedergeburt des Telemark fand in den 70er Jahren in dem Skidörfchen Crested Butte (Colorado, USA) statt. Dort nutze eine Gruppe von Skipatrolern um Rick Borcovic diese traditionele Skitechnik um abseits der Piste Touren zu gehen. Rick veröffentlichte ein paar Artikel über das Comeback des Telemarken, die Alpinisten und Tourengeher dazu veranlaßte diese Technik zu versuchen. Dadurch wurde auch die Skiindustrie aufmerksam und entwickelte neue Produkte. Schnell gewann die neue Religion zahlreiche Jünger.

Die PSIA (Professional Ski Instructors of America) stellte 1983 auf der Interski im Pustertal den "modern American Telemark" und die entsprechende Lehrmethodik vor. In Deutschland wurde 1985 die "Deutsche Telemark - Skilauf Organisation e.V." gegründet. Ziel war die Vermittlung und Verbreitung des Telemarksports in Deutschland. Seit dem 1.Januar 1998 werden diese Aufgaben vom Referat Telemark des Deutschen Skiverbands (DSV) übernommen.

Was ist Telemark?

Der Name steht für eine Kurventechnik im Skilaufen, entwickelt um ca. 1870 in Südnorwegen, in der Landschaft Telemarken.
Hauptmerkmale:
· ähnlich der Langlaufbindung ist die Ferse frei vertikal beweglich, man kann sie wie beim Gehen abheben.
· damit ist es möglich, einen Hang gleichsam in Gleitschritten talwärts (bergab) zu laufen (siehe Skilaufen!)

Warum gerade Telemark?

· es ist eine alternative Möglichkeit für Spaß im Schnee!
· es ist eine einfache Technik - weil es der Geh- bzw. Laufbewegung ähnlich ist
· es ist eine natürliche Technik - weil jedermann den SCHRITTWECHSEL kann
· es ist eine gesunde Technik - weil die Gelenke nicht so stark verdreht werden und zumeist in jenen Achsen verwendet werden, für die sie hauptsächlich gebaut sind
· es geschehen weniger Unfälle, weil die "freie Ferse" mehr Beweglichkeit zuläßt
· es gibt keine kalten Füße - weil durch die Biegezone im Schuh sich der Fuß fußgerecht bewegen kann
· es täuscht das tiefe Knie des hinteren Beines - dafür ist ja die Ferse hoch (siehe Abb. 5)
· es ist jene Technik, die über die meisten Freiheitsgrade verfügt und daher alpines Skilaufen ebenso zuläßt wie Langlaufen, Springen, Tourengehen und Telemarken
· es ist eine Herausforderung, in eleganten, federleichten Schwüngen unser alpines Gelände zu befahren
· es ist die zeitloseste Skilauftechnik, unterstützt von modernster Ausrüstung - die bei uns schon immer mehr verlangt wird und dzt. nur im guten Fachhandel erhältlich ist
· es ist sicher etwas für Individualisten, Nonkonformisten und Leute, die eine Herausforderung suchen

Die historischen Wurzeln der Sportart liegen in der norwegischen Landschaft Telemarken, wo ab der Mitte des vorigen Jahrhunderts besonders Langlauf, Sprunglauf, aber auch Kurvenfahren mit Ski betrieben wurden. Ein Verdienst von Sondre A. Norheim (1825 - 1897) ist es, durch die Erfindung der Taillierung am Ski Wesentliches zur Entwicklung dieses Sportgerätes beigetragen zu haben.
Im Skimilieu von S.A. Norheim entstand auch die erste Bindung mit Diagonalzug, allerdings aus geflochtenen Weidenzweigen.

Bindung mit Diagonalzug

894 hatte Fritz Huitfeld als erster ein Patent über einen Metallbacken mit Zehen- und Fersenriemen.


Bindung mit Metallbacken

 

Der in Niederösterreich lebende Mathias Zdarsky (1856-1940) entwickelte 1896 die erste durch eine Sohlenplatte seitenstabile Bindung, die über einen Federmechanismus außerdem progressiv das Abheben der Ferse beeinflußte und damit eine radikal neue Fahrweise ermöglichte.

Über USA, Australien und Norwegen ist diese elegante Skitechnik wieder nach Mitteleuropa zurückgekehrt und zu einer anspruchsvollen, modernen und dynamischen Sportart geworden.

Wegbereiter war unter anderen Rick Borcovic, der 1974 nach Studium von Telemarkbildern aus dem Buch "Come Ski With Me" von Stein Erikson, als Skipatroler bei der Sicherung der Skipisten mit Freeheel-Ausrüstung in Crested Butte/Colorado offpist unterwegs war ...

Ein starker Impuls ging auch vom Freestyle-Skilauf aus, woran Namen erinnern wie Marc Shapiro, Luca Gasparini, Harro Mulzer, Peter Lindecke, Manfred Gschaider ...
Dementsprechend hat sich auch eine High-tech-Ausrüstung entwickelt, was Schuhe und Bindungen betrifft. Neben den breiter gewordenen Telemarkski können vom Tourenski bis zum aktuellen Carverski alle Typen mit Bindungen mit "freier Ferse" versehen werden. Für mittlere bis gute Skiläufer bildet die Umschulung kein Problem, wenngleich hinter der Eleganz beim Telemarken ein gehöriges Stück Balancegefühl, Können und Kondition stecken. Es stellt eine Herausforderung dar, im Gelände, im Tiefschnee, in der Buckelpiste und in Wettkämpfen mit eingebauten Sprüngen sturzfrei zu bestehen! Seit 1987 gibt es Weltmeisterschaften, seit 1990 Österreichische Meisterschaften, seit 1. 1. 1995 im ÖSV.

 

 

 
 
 
 
 
 
 


 

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